Harry K., Jahrgang 1945

Erfahrungsberichte: Myasthenia gravis

Im Mai 2005 feierte ich meinen 60. Geburtstag. Bis dahin war ich weder ernsthaft krank noch lag ich längere Zeit im Krankenhaus.

Am 19. Juni war ich zum Grillen bei Freunden eingeladen. Beim Essen verbrannte ich mir an einer Bratwurst die Zunge. Am nächsten Tag hatte ich leichte Sprachprobleme (lispeln). Diese Sprachprobleme nahm ich nicht weiter erst und schob diese auf die verbrannte Zunge.

Am Dienstag, den 21. Juni 05 machte ich mit meiner Frau eine Busreise nach Polen. In dieser Woche verschlechterten sich meine Sprachprobleme und es stellen sich noch Schluckbeschwerden ein.

Am Dienstag, den 28. Juni, wir waren wieder zu Hause, konnte ich kaum noch verständlich sprechen. Auf Drängen meiner Frau, fuhren wir noch am selben Tag in die Notaufnahme des KH Weißenfels. Nach einer Untersuchung konnte im Mund nichts Auffälliges festgestellt werden. Mir wurde verordnet 3 x tägl. einen EL Speiseöl zu mir zu nehmen und es wurden Lutschtabletten verschrieben. Außerdem bekam ich eine Überweisung zum HNO-Arzt. Auch dieser konnte keine klare Diagnose stellen. Er verschrieb mir eine Tablettenkur . Doch meine Sprach- und Schluckbeschwerden wurden nicht besser sondern verschlechterten sich immer mehr.

Ich glaubte nun nicht mehr, dass dies von der Verbrennung der Zunge herrührte. Meine Vermutung ging in Richtung leichter Schlaganfall.

Ich wechselte zu einen anderen HNO-Arzt. Herr Dr. Andreä aus Weißenfels überwies mich umgehend in die Neurologie des KH Naumburg. Nach einer umfassenden Untersuchung einschließlich CT und MRT konnte ein Schlaganfall sowie der Verdacht auf Gehirnbluten ausgeschlossen werden.

In dieser Zeit im Krankenhaus, wo niemand so genau wusste was mir fehlte, ging es mir physisch und psychisch nicht sehr gut. Ich konnte kaum was essen und nicht sprechen.

Glücklicherweise wurde mittels eines EMG und eines Tensolintests dann sehr schnell MG bei mir diagnostiziert. Es wurde ein Tablettenspiegel erstellt um auszutesten, welche Medikamente bei mir am besten anschlagen. Weiterhin wurde mir auf Anraten der Ärzte empfohlen, die Thymusdrüse operativ entfernen zu lassen. Jedoch hat sich diese schon soweit zurückgebildet, das nur noch „Fettinseln“ von der Drüse das sind. Doch eine Operation war notwendig, um meine Chancen auf Heilung zu verbessern.

Nach 4 Wochen Krankenhaus-Aufenthalt konnte ich wieder nach Hause. Ich nehme Imurek, Prednisilon, Mestinon und Calcium bis zur OP. Am 5. September 2005 wurde ich operiert. Nach zwei Wochen konnte ich das Krankenhaus wieder verlassen. Durch das Cortison hat sich Wasser im Körper eingelagert, wodurch ich jetzt etwas „fülliger“ geworden bin, aber damit kann ich ganz gut leben. Ich darf noch nicht schwer heben und muss aller 4 Wochen zum Neurologen, um meine Werte messen zu lassen. Die Medikamentendosis wird jetzt schrittweise reduziert.

Ich möchte mich auch hiermit noch mal bei CÄ Frau Dr. med. Sabine Lobenstein und ihrem Team vom KH Naumburg für die gute Betreuung und schnelle Diagnose vom MG bedanken.

Außerdem haben mir die Internetseiten und Erfahrungsberichte sehr geholfen, mehr über diese Krankheit zu erfahren und zu wissen das es noch andere Betroffene gibt, denen es ähnlich ging wie mir.

Zur Zeit geht es mir gut und ich habe MG mittlerweile akzeptiert.

So schlimm diese Krankheit auch ist, etwas positives hat sie auch – ich habe aufgehört zu Rauchen !!!