Isabel M., Jahrgang 1988

Erfahrungsberichte: Myasthenia gravis

Halli, Hallo…
Ich bin Isabel (19 Jahre alt), gelernte Arzthelferin und habe seit Februar 2007 MG.

Als ich im November 2006 erkältet war, bemerkte ich das erste Mal dass ich nicht richtig reden konnte, aber wer denkt da schon an so was? Zu diesem Zeitpunkt steckte ich gerade voll im Prüfungsstress und an der Arbeit lief auch nicht immer alles rosig.

Ich ignorierte es ganz einfach, dachte dass es vom Infekt wäre und ich einfach nur zu viel um die Ohren hätte. Das ganze hielt auch nur etwa 15 Min. an und dann war bis Februar auch Ruhe.

Seit November war ich jedoch stets und ständig müde und nutzte jede freie Gelegenheit um zu schlafen bzw. mich auszuruhen, wenn nicht gerade das Handballtraining anstand. Ich habe seit meinem 8. Lebensjahr Handball gespielt (was ich jetzt nicht mehr soll) Und hörte damit eigentlich nur auf, weil ich körperlich nicht mehr hinterher kam, was eigentlich recht ungewöhnlich war.

Ich hatte in meiner sportlichen Laufbahn viel erreicht und deshalb waren auch meine Trainer verwundert warum ich mit einmal so an Leistung abnahm. Ich schob es auf andere Interessen, Schule und meine körperliche Entwicklung und damit hatte ich mich so etwas damit abgefunden.

Im Februar ging es dann richtig los mit Lernen und die Abschlussprüfung von der Lehre stand bald bevor. Meine Fahrschule lief auch so nebenbei und als ich dann zum Fasching auch noch kellnerte, wollte mein Körper anscheinend nicht mehr.

Ich konnte plötzlich nach 2h etwas stressiger Arbeit keine Bestellung mehr aufgeben. Zb. Der einfachste Satz: „zwei Bier bitte“, brachte ich nicht mehr heraus. Alle dachten ich hätte mir nen Zungenpiercing machen lassen, aber ich wusste selber nicht, was in mir vorging.

Na ja, hab halt nix mehr gesagt und dachte wenn ich mich 1 0Min. ausruhe und die Augen zu mache, geht`s besser und tatsächlich, es war zwar für einen Moment weg, aber es hielt nicht lange an, im Gegenteil es wurde immer schlimmer.

Ich kellnerte weiter und tat so als wäre ich heiser, nur konnte ich mittlerweile nicht mehr meine eigene Spucke schlucken. Essen ging gar nicht mehr, weil ich meine Zunge irgendwie nicht unter Kontrolle hatte und wie taub war, es fühlte sich an, als hätte ich eine heiße Kartoffel im Mund.

Das machte mir Angst und als ich zu Hause war, meinem Freund noch mehr. Da meine Chefin auch meine Hausärztin ist, rief er sie in der Not an um Sie um Rat zu bitten, doch am Telefon konnte sie uns nicht helfen. Also fuhren wir am nächsten Tag in die Praxis, wo ich eine Überweisung zur HNO- Ärztin bekam, weil ich nur noch durch die Nase redete.

Die HNO-Ärztin erzählte mir, dass das vom Magen kommen würde, verschrieb mir Magentabletten und wenn es nicht besser werden würde sollte ich mir einen Termin zur Magenspiegelung geben lassen, krass oder? Glücklicherweise blieb mir das erspart! Meine Chefin telefonierte mit einer Neurologin die meinte, dass es besser wäre wenn sie mich in Krankenhaus nach Mühlhausen einweisen würde um „MS“ auszuschließen, da Mühlhausen auf neurologische Sachen spezialisiert wäre und CT-Termine nicht lange dauern.

Meine Nerven lagen blank. Jetzt muss ich dort bleiben ohne meinen Freund, die Prüfungsvorbereitungen waren im Laufen, der HORROR! Na ja muss man durch als Lurch 🙂

Also ging es nach Mühlhausen, wo sie natürlich alle Tests (CT-Kopf und HWS) und Blutwerte auf MS testeten außer einen den Antikörperwert, der allerdings erst 2 Wochen nach meiner Entlassung fertig war und über 2000 lag, was ich nicht wusste.

Sie schickten mich im Krankenhaus zum Psychologen und fragten mich, ob ich mir das einbilden würde, der Hammer oder? Da hatte ich die Nase voll! Wer geht denn freiwillig ins Krankenhaus? Na ja also schickten sie mich nach 1 Woche nach Hause, weil alle anderen Werte OK waren und es mir gut ging.

Nach 2 Wochen bekam ich an der ARBEIT einen Anruf, der mich total aus der Bahn warf. Die Ärztin sagte, dass die Antikörperwerte viel zu hoch sind und sie einen bestimmten Verdacht auf eine Krankheit hätten. Um das genau festzustellen müsste ich allerdings noch einmal für 2 Tage für diese Untersuchungen nach Mühlhausen. Ich dachte die (Entschuldigung) wollen mich verarschen. Mein Freund überredete mich allerdings schlussendlich dazu alles abklären zulassen damit wir endlich wissen was ich habe und wollte die 2 Tage mit bei mir bleiben, doch nix war`s! Aus 2 Tagen wurde dann noch mal eine Woche und die neue vermutete Diagnose „Myasthenia Gravis“ bestätigte sich.

Irgendwie schien mein Leben in dem Moment total zusammen zu brechen, aber irgendwie war`s auch gut zu wissen was es ist und ich konnte gleich auf Kalymin 60 eingestellt werden. Ich vertrug die Tabletten recht gut. Nach dem CT meines Brustkorbes stand fest: meine Thymusdrüse müsste raus weil ein Verdacht auf ein Thymom bestand, was sich nach der OP Gott sei dank nicht bestätigte!

Ich wurde an meine heutige Neurologin Frau Dr. Thieme in Erfurt verwiesen, bei der ich seit April in Behandlung bin und jedes viertel Jahr einmal zur Kontrolle fahre. Im April empfohl sie uns Prof. Dr. Gellert in Berlin-Lichtenberg.

Diese Ärzte sind einfach einsame Spitze! Die OP wurde minimal- invasiv über 3 kleine Schnitte um die linke Brust gemacht. Einfach klasse! Nach einem Tag Intensiv Station (zur Beobachtung nach der OP) blieb ich insgesamt 5 Tage im mit meinem Freund in Berlin im Klinikum, wohin er mich auch wieder begleitete und bei mir war. Ich bin froh einen solch tollen Menschen gefunden zu haben der mir viel Kraft gibt, die man gerade da massig braucht. Es ist so wie es ist, also muss man lernen damit umzugehen und damit zu leben. Ich lebe seit dem nach dem Motto: “ Geb dich niemals auf, sondern kämpfe weiter“!

Und ich denke durch die Unterstützung von außen und das Glauben an sich selbst, hat mich soweit gebracht. Heute 7 Monate nach der OP geht`s mir „prima“, ich bin mit Kalymin 60N 180/Tag gut eingestellt und habe im Mai meine schriftliche Prüfung mit insgesamt 2,1 und im Juli meine praktische mit 1,0 geschafft. Es war zwar nicht ganz einfach aber ich habe wie alle anderen auch meine Lehre im Juli mit meinen Arzthelferinnen-Brief abgeschlossen.

Seit dem arbeite ich genauso wie vorher auch, also Kopf hoch! Macht das Beste draus!

Lg Isa

Ps.: ich möchte mir hiermit auch mal ganz besonders bei meinem Verlobten Toni bedanken, der immer für mich da ist, bzw. war vor allem in dieser schweren Zeit. Ich liebe dich
Danke Schatz!