Kurt Z., Jahrgang 1921

Erfahrungsberichte: Myasthenia gravis

Ich hatte in den letzten drei Jahrzehnten nie etwas mit Krankheiten – außer mal einer banalen Erkältung – zu tun, habe bis zu meiner MG-Diagnostizierung um den 20.Mai dieses Jahres wöchentlich noch dreimal Gymnastik in einer Seniorensportgruppe in den letzten 8 Jahren gemacht. Aber meine Frau war sehr krank, das letzte halbe Jahr bettlägerig. Ich fühlte mich gesund und gefordert und habe mich wohl dabei überfordert. Eines Tages zu Beginn unserer Gymnastikstunde bemerkten meine Sportsfreunde eine leichte Ptose. Und rieten mir zum Arzt zu gehen.

Sofort wurde ich in die Neurologie des Sächsischen Krankenhauses Rodewisch überwiesen, wo die CT ergab, daß ich wahrscheinlich eine Mikroembolie erlitten habe. Mein Blutdruck erreichte einen syst. Wert von um die 180 sonst um die 125mmHg. Nach Infusion und Aufenthalt in der Intensivstation normalisierte sich alles wieder, hatte keine weiteren Beschwerden und wurde nach 10 Tagen entlassen. Zu Hause wieder unter unsäglicher Belastung machten sich die typischen – für mich unbekannten – Symptome der MG bemerkbar. Wegen des starken Bronchialschleims konnte ich wegen Erstickungsangst nur noch halbsitzend und auf der Seite liegend etwas nachts schlafen.

Dem aufgesuchten HNO war anscheinend die Diagnose MG nicht bekannt, woher sollte er auch. Er verschrieb mir Ysiloheel, ein biologisches Heilmittel, bei mir war dies für die Katz. Als ich es bald nicht mehr aushalten konnte, meldete ich mich in der Notaufnahme des SKH. Nach gleich gründlicher Untersuchung und einer ausführlichen Ermittlung der Anamnese wurde ich anderntags noch einmal „auf den Kopfgestellt“. Was die alles mit mir gemacht haben, habe ich mir erst hinterher aus dem Abschlußbericht mit Hilfe klinischer Wörterbücher zusammengepuzzelt .

In den restlichen 20 Tagen wurde ich dann auf Kalymin (bei 10mg angefangen und jetzt bei 100mg einer Einzeldosis angekommen) und Imurek eingestellt. Mir geht es jetzt so gut, daß ich aufpassen muß, nicht die Medikation zu vergessen. Ich bin versucht die Dosis von Kalymin herunterzusetzen – natürlich nur unter ärztlicher Konsultation und Beobachtung.

Das Vorhanden sein eines Thymoms konnte bei mir ausgeschlossen werden und ich bin cardiopulmonal kompensiert, RR 120/80 mmHg, Abdomen klinisch unauffällig. Keine Fußödeme. Mit meinen erreichten 80 Jahre stehe ich doch eigentlich ganz gut da. Ein Glück, daß wir in unserem Ort (8000 Ew.) so ein Krankenhaus haben und vor allem, daß ich dahin gefunden habe. Eine neue Baracke voller Diagnoseanlagen. Doch Hardware auf neuesten Stand nützt allein nicht, wenn nicht das Personal von der Nachtschwester bis zum Chefarzt danach ist. Wahrscheinlich ist die „Neurologie“ auch die „Perle“ des SKH, für mich ist sie es jedenfalls, jetzt erst recht, wo ich noch andere Schicksale von anderen MGlern auf Deiner Homepage erfahren musste.